Geschichtliches & Aktuelles
Zigeunerfreunde und Stiefvater
In jedem Frühjahr kamen die Zigeuner. Mit den Kindern von 1-12 Jahren habe ich gespielt. Die hatten Apfelsinenkisten, damit rutschten sie auf dem langen trockenen Gras zum See herunter…, Leider durften sie nicht lange bleiben. Bis zum Herbst, dann ließen sie sich nicht mehr blicken. Da passt das Lied : “Zigeunerwagen, Zigeunerwagen, wo bist Du, wo bist Du geblieben?“ Heute weiß ich es – in den KZ´s
Mit dem Lernstoff in der Schule kam ich gut mit. Aber im zweiten Schuljahr haperte es beim lesen. „Rudolf will ein Radler sein, doch er war noch viel zu klein“ . Dieser Satz hat sehr viele Griffel gekostet, auch die Schiefertafel hielt Mutters Schläge auf meinem Kopf nicht stand. Ein halbes Jahr schrieb ich mit verlängerten Griffeln. Unzählige male hatte ich den Tafelrahmen auf meinen Ohren hängen. Weiter ging es nicht wegen der abstehenden Ohren.
Mein Vater starb relativ jung an TBC. Unbewusst war ich daran beteiligt das meine Mutter später einen neuen Mann kennenlernte. Er zeigte sehr schnell seinen wahren Charakter. “Vater“ sollten wir sagen. Der schlug ohne Ansatz aus dem Handgelenk. Mir hat oft wegen Nichtigkeiten die Lippe oder Nase geblutet…Endlich wurde der“ starke Mann“ 1942 eingezogen. Freundlich auf dem Bahnhof verabschiedet, ob er auch wirklich fährt und wir hatten ein ganzes Jahr Ruhe.
In der Hitlerjugend Geländedienst.. Die Führer saßen im Schatten und nuckelten Brause. Wir auf dem staubigen Sportplatz, Flieger von rechts, von links auf marsch, marsch, hinlegen, auf dem Koppel drehen und zurück. Ich hatte es satt und war sauer, bei dem Befehl Panzerdeckung, bin ich unaufhaltsam gerannt und direkt nach Hause. Zum nächsten Kameradschaftsabend, Befehlsverweigerung! Strafe mit dem Schulterriemen, von der Gruppe festgehalten – Selbsterziehung!
E. Stelter
