Geschichtliches & Aktuelles
Eine Woche in Stettin 1944
Wir, meine Mutter und ich, haben manchen Bombenangriff in einer Großstadt wie Stettin erlebt. Der Luftschutzbunker war gleich im Haus. Wir wohnten in einer Kellerwohnung von Mutters Arbeitskollegin aus Berlin, etwas aus der Stadt in Grünow. Zwei Stationen hinter dem Königstor. Dort mußte ich immer aussteigen.
Ich hatte mich schnell eingelebt. In der Nähe war ein Kino, die Grünower-Lichtspiele. Zu der Familie gehörte ein Junge von 15 Jahren, von dem bekam ich immer Tips und auch die anderen Jungen aus den Viertel waren umgänglich. Wir tollten immer umher. In der Nähe war ein Bolzplatz, auch eine Festwiese mit Karussels und Schießbuden.
Am liebsten hielt ich mich am Hauptbahnhof oder im Hafenbezirk auf. Es lagen im hinteren Teil des Hafens leichte Kriegsschiffe und U-Boote. Mit dem Fernglas konnte man im Haff einen eingemotteten Flugzeugträger erkennen. Er war wohl nicht mehr für den Einsatz bestimmt. Unter Tarnnetzen sah man nur das glatte, lange Startdeck. Nach einem schweren Angriff war wieder die Hölle los. Da wir in einer Kellerwohnung waren, brauchten wir nicht in den Bunker sondern nur in den nächsten Raum und warten! Bombengeschützt?
Der Hafen war wieder Hauptziel sowie die Brücken und der Bahnhof. Am anderen Tag war Beisetzung der Toten vom Vortag. Es gab nicht genug Holz für Särge. Es waren etwa 40-50 Särge aufgereiht, Fahnen auf Halbmast. Ein „Goldfasan“ sprach über Lautsprecher vom Heldenmut der Flaksoldaten und der Opferbereitschaft der Bevölkerung. Das wiederholte sich hin und wieder wenn die mit den Lieferungen der Särge nachkommen konnten. Es kam auch vor das diese Särge wegen Vollalarm stehenblieben und das dann ein großes Loch diente. Die Klinik in der mein Bruder lag wurde in dieser Zeit zweimal schwer getroffen und es gab viele Tote, eine Unterbringung war nicht mehr möglich. Mein Bruder hatte Glück, der Nebentrakt war Plattgebomt! Alles zur Abreise vorbereitet, aber wie aus der Stadt kommen? Ein ärztliches Schreiben machte es möglich, bis Altdamm mit dem Holzgaserbus dann wiederholt rein in den Zug, Tiefflieger! Raus aus dem Zug. Am späten Abend entlich in Neuwedell. Sirenen lösten bei mir, nach Stettin einen Krampf aus, wie Atemnot und Bauchgrimmen!
E. Stelter
